Bosco-Gurin eine bekannte Sprachinsel wurden schon in einem Lexikon von 1748 detailliert erwähnt. Die Guriner sind sehr naturverbunden, das liegt daran das sie eine kleine Bevölkerungsdichte haben und weit weg von den Agglomeration liegen. Mehre Reisende so F.J. Ziegler von Zürich und Angelo Nessi stellten fest das sich schwer zu verständigen war mit den Gurinern, da man Ihre Sprache weder in der Deutschenschweiz noch in der Italienischen Schweiz verstand. Und doch gibt es Sprachverwandtschaft. Das Gurinerdeutsch ist mit den anderen Walser-Mundarten des Wallis inklusive seine verstreuten Kolonien, Berner Oberlandes, Freiburger Deutsch und der Innerschweiz. Näher definiert kann das Gurinerdeutsch mit der Walser-Mundartuntergruppe Südwalserdialekt.
Die Eigentümlichkeit der Walser Mundart sind unten in der Tabelle beschrieben:
| Südwalserisch | Schriftdeutsch | Südwalserisch | Schriftdeutsch |
| gäärä | gern | Hoorä | Horn |
| moorä | morgen | schnyä | schnein |
| büwwä | bauen | niw | neu |
| Baach | Bank | triächä | trinken |
| fleigä | fliegen | Aachä | Anken |
| schwechä | schwingen | Schwaach | Schwung |
| teiff | Tief | hä | haben |
| ghä | gehabt | geischt | gehst |
| geit | geht | steischt | stehst |
| steit | steht | ds Heww ischt ripfs | das Heu ist reif |
| är ischt agstoltä chu | er ist angestellt worden |
Natürlich ist bietet das Gurinerdeutsch vielfältige Redensarten. Nachfolgend eine kleines Beispiel:
| Südwalserisch | Schriftdeutsch |
| Hoo gsädlut, teiff ggaglut | Hochmut kommt vor dem Fall |
Das Gurinerdeutsch wurde wegen seiner isolierten und Enklaven Situation auch von italienischen Lehnwörtern nicht verschont. Es gibt aber nur seltene Beispiele dafür.
| Südwalserisch | Schriftdeutsch (wörtliche Übersetzung) |
| Är ischt troolut met där macchinu unn hät prochä där Aarum | Er ist gestürzt mit dem Motorrad und hat gebrochen den Arm. |
Dieses Beispiel zeigt das typische deutsche jedoch romanische (also auch italienische) Eigenschaften wie die das zusammengesetzten Wörter im Gurinerdeutsch fehlen. Es heisst also nicht «Armgebrochen» sondern «gebrochen den Arm».
Die Südwalser bilden den äussersten südwestlichen Ränder des deutschen Sprachgebietes. Seine Abgrenzung hatte zur Folge das altgermanische Wörter erhalten blieben.
In dieser Isolation konnte sich der Gurinerdialekt entwickeln, ist aber existenzbedrohend, weil sich die umliegende Sprache amtlich durchsetzen vermag und die Bevölkerung allmählich entweder in die Agglomeration des Tessins oder in die Deutschschweiz abwandern. Das heisst das man sich der jeweiligen Sprache anpassen muss, weil der Gurinerdialekt eine Mischform vom germanischen und der romanischen Sprachwelt ist.
Selbst in der Gemeinde von Bosco Gurin wird kaum Gurinerdialekt gesprochen. Es wird entweder Schweizerdeutsch, Italienisch oder Schriftdeutsch gesprochen, da man sich mit den Besuchern verständigen möchte und weil auch neu eingewanderte Personen nicht den Gurinerdialekt verstehen.
Zusammengefasst ergibt so folgende Situation:
Guriner wandern ab, gleich weniger Einwohner in Bosco Gurin.
Neue Personen wandern ein, gleich mehr Einwohner in Boso Gurin.
Ergibt zusammen weniger Einwohner in Boso Gurin die Gurinerdialekt sprechen und Generationen der Abwanderer verlieren ihren Mutterdialekt.
In Boso Gurin wurde die italienische Amtssprache eingeführt, als das Tessin ein Kanton der Eidgenossenschaft wurde. Das hatte zur Folge das beim Einführen der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1830 das Italienische Unterrichtsprache wurde. Die Gemeinde wehrte sich dagegen in dem sie immer wieder Anträge für das Halten eines obligatorischen Deutschfaches an die Tessiner-Regierung stellten. Doch erst im Jahre 1942 wurde der Antrag bewilligt.
Die allgemeine Schulpflicht führte zu Problemen da die einheimische Lehrerschaft die italienische Sprache nicht beherrschten mussten fremde Lehrer gesucht und eingestellt werden. Einige Lehrer konnten neben Italienisch auch Deutsch und so versuchte der Guriner Lehrer Hansmaria Sartori in den Jahren 1913 bis 1935 das Gurinerdeutsch zu erhalten und in seinen Unterricht einfliessen zu lassen.
Bis zur Einführung des obligatorischen Deutschunterricht wurde dies als Frei Fach unterrichtet. Zuerst von den Pfarrern später von 1894 bis 1942 vom Guriner Seraphin Sartori. Unterstützt wurde dies vom Deutschschweizerischen Schulverein der von den Professoren Meyer von Knonau und Hardmeyer die das Dorf im Jahre 1880 besuchten.
Doch nicht nur durch die Schule wurde der Gurinerdialekt in Frage gestellt sondern wurde auch von der Römisch-Katholischen Kirche attackiert nachdem das Tessin eigenständiges Bistum wurde. Vorher konnten die Guriner Ihren Pfarrer selbst wählen und der Comer-Bischof musste diese Wahl anerkennen und bewilligen. Bis zum Jahre 1940 waren jedoch mehrheitlich italienische Pfarrer im Amt die nicht Deutsch konnten. Das Bosco Gurin kann bis heute keinen Pfarrer selbst wählen. Glücklicherweise konnten seit dem Jahre 1940 die gewählten Pfarrer Deutsch und so wurde der Friede bewahrt nach dem die Guriner dem Bistum des Tessins aus verständlichen Gründen mit diplomatischen Krieg drohten.
Die Bevölkerungszahl von Bosco Gurin ist von starken Schwankungen ausgesetzt. Eine Statistik zeigt dies sehr eindrücklich.
| Jahr | Einwohner | Ereignis |
| 1683 | 291 | |
| 1716 | 187 | Am 21.02.1695 sind 34 Lawinentote zu beklagen |
| 1761 | 168 | Am 07.02.1749 gab es 41 Lawinentote |
| 1850 | 400 | Geburtenzunahme infolge Eindämmen der Epidemien |
| 1990 | 58 | Auswanderung von 105 Person nach Übersee in den Jahren 1859 – 1868. Stetige Auswanderung in die Agglomerationen der Schweiz |
Nebst den bereits erwähnten Katastrophen gab es weitere die zwar keine Menschenopfer zu beklagen gaben, jedoch hohe Tieropfer und Sachschaden ergab.
Trotz Schwankungen war die Wirtschaft bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts stabil. Die Grundlagen waren Viehzucht und Milchwirtschaft, aber auch Getreide-, Leinen- und Hanfanbau wurden betrieben. Epochenweise wurden in Bosco Gurin auch Bauhandwerker in andere teile der Schweiz gesucht. Heute hat sich das verändert. Der Dienstleistungssektor Anteil steigt stetig, was bei Mangel an Arbeitsplätze zu Auswanderung führt. Durch Erbteilung zerfiel der Privatbesitz in versplieterte kleine Teile. Bis 1991 wurde diese durch Landabtausch wieder zusammengefügt. Nebst der Landwirtschaft dominiert heute auch das Touristengeschäft mit seinen Skiliftanlagen und den Unterkünften.
Das Heimatmuseum ist im ältesten Haus des Dorfes untergebracht und wird von der Gesellschaft zur Förderung des Walserhauses Gurin betreut und diese ist Mitglieder der grenzüberschreitenden Walserortsvereinigung. Das Ziel der Vereinigung ist die Pflege der Walserkultur um die vor 70 Jahren noch nicht bekannte Zusammengehörigkeit nicht zu Verlieren.
